Familienmediation in der Krise

Familienmediation - die Zeit zu Hause als Familie überstehen!

Die Coronakrise stellt uns im Alltag vor bisher nie da gewesene Herausforderungen. Auf diese Situation hat uns keiner vorbereitet und viel unserer Pläne sind hinfällig geworden. Schulen und Kitas haben geschlossen und die Eltern sind im Homeoffice.

Durch das Kontaktverbot sind die Familien auf sich allein gestellt - eine echte Herausforderung. Aber auch ohne die Unterstützung der Nachbarn oder der Großeltern ist es möglich einen Familienrat einzuberufen und mit den klassischen Mitteln der Mediation das Zusammenleben zu organisieren. Wenn die Kompetenzen aller Familienmitglieder, auch der ganz kleinen, genutzt werden, dann kann gemeinsam eine Lösung entwickelt werden, die auch alle mittragen. Denn für die aktuelle Situation gibt es kein Patentrezept und keine Erfahrungswerte. 

In meiner Arbeit als Mediatorin habe ich immer wieder die Erfahrung gemacht, dass Gruppen eine gute Lösung aus sich heraus finden und alle kooperieren, solange sie nicht mit Beschimpfungen oder Forderungen überschüttet werden. Wenn wir uns also mit Respekt begegnen und uns für die Bedürfnisse der anderen interessieren, dann können wir gemeinsam nachhaltige Lösungen entwickeln.
Für alle, die es einmal mit einem Familienrat versuchen wollen, habe ich eine Kurzanleitung zusammengestellt:

Familienmediation ohne Mediatorin

Den Rahmen schaffen
Zuerst einmal gilt es einen Rahmen zu schaffen und ein gemeinsames Vorgehen festzulegen. Wer moderiert, wer schreibt mit, wo ist ein guter Ort, wie lange wird verhandelt, usw. Das ist ja je nach Familiengröße und Alter der Kinder unterschiedlich. Hier sollten auch ein paar Regeln festgelegt werden, z.B. Handy aus, zuhören und ausreden lassen und alles, was ihr gemeinsam wichtig findet und dem alle zustimmen können.
Wichtig ist, dass die Eltern den Prozess leiten, aber in der inhaltlichen Auseinandersetzung alle Familienmitglieder gleichwertig behandeln, so wie ihr es im der Firma auch machen würdet. Mit einiger Erfahrung kann dann die Leitung auch mal von einem Kind übernommen werden.

Beschreibung der stressigen Situation
Am Anfang geht es erstmal darum, die stressigen Situationen zu beschreiben. Aber achtet darauf, dass sich keine Bewertungen oder Interpretationen einschleichen, passiert mir auch schnell. Also nur das erzählen, was jeder andere auch beobachtet hätte. Die Gefühle, die ihr dabei hattet dürfen auch berichtet werden, aber hütet Euch davor über die Gefühle der anderen zu orakeln, wartet lieber, bis der andere die Situation aus seiner Sicht und mit seinen Gefühlen beschreibt.
Gut ist, wenn die Sichtweisen für alle sichtbar aufgeschrieben werden, so dass alle wissen, wen was nervt.

Bedürfnisse und Wünsche
In der zweiten Runde beschreibt jeder seine Bedürfnisse und Wünsche, aber ohne Vorwürfe und Forderungen, denn Lösungen sind hier noch nicht gefragt. Es geht um erstmal um das Verständnis für die eigenen Bedürfnisse und die der anderen. Manchmal hilft hier ein Spiel weiter, wechselt doch einfach mal den Platz mit einem Familienmitglied und versucht aus dieser Perspektive zu argumentieren. Was würdet ihr aus Sicht des Vaters oder der jüngsten Tochter sagen? 

Lösungen sammeln und verhandeln
Erst wenn das Verständnis da ist, macht es Sinn, nach Lösungen zu suchen. Hier gilt erstmal: Alles darf gesagt werden, auch wenn es sich wie Quatsch anhört. Die Lösungen werden auf Karten geschrieben und gesammelt. Wenn niemandem mehr etwas einfällt, dann werden die Lösungen in drei Gruppen sortiert: 

1. Alle können dieser Lösung zustimmen.
2. Es gibt ein Veto, aber mit einer kleinen Veränderung können alle der Lösung zustimmen.
3. Es gibt ein Veto und keine Verbesserungsmöglichkeit.

Vertrag und Probezeit
Das Ergebnis wird aufgeschrieben und festgelegt, wie lange die Lösung ausprobiert werden soll bis alle wieder zusammenkommen und über ihre Erfahrungen sprechen. Dann unterschreiben alle den Vertrag.

Wer gern liest, dem seien an dieser Stelle die Bücher "Die kompetente Familie" von Jasper Juul und "Familienkonferenz" von Thomas Gordon empfohlen. 

Ach so, funktioniert auch für Paare ganz prima, denn alle guten Beziehungen basieren am Ende auf gegenseitiger Achtung und liebevollem Verständnis.

Viel Erfolg, bleibt gesund und verliert Eure gute Laune nicht!


Für die Zeit der Krise unterstütze ich Euch kostenlos bei Fragen rund um diesen Prozess. Denn jetzt geht es ja erstmal darum die akute Krise bestmöglich zu überstehen. Schreibt mir einfach unter post@karenjunge.de.

Sollten sich tiefgreifende Probleme zeigen, die es auch ohne Krise schon gab, dann arbeite ich auch gerne als Mediatorin oder Coach mit Euch.

Karen Junge | Zöllnerstraße 5 | 22761 Hamburg I 0160 52 51 532